Mittwoch, 19. September 2018

Schönste Zeit des Jahres?

Wir haben ihn wieder – den Alltag. Langsam pendelt er sich auf Arbeit und im Familienleben ein.

Sehnsüchtig verabschiede ich die langen Tage. Sie kommen erst nächstes Jahr wieder. Im Frühjahr tönte die Werbung über die schönste Zeit des Jahres: der Sommerurlaub. Da müsse man sich etwas gönnen, das Besondere suchen und Abenteuer wagen. Schließlich spart man elf Monate auf die schönste Zeit des Jahres.

Zwei bis drei Wochen Urlaub sind die schönste Zeit des Jahres? Wirklich?
Das schraubt die Erwartungen an Freizeit, Sorgenfreiheit und Harmonie in die Höhe und wenn man sich zankt, schlechtes Essen bekommt, es regnet, im Stau steht, sich verfährt, das Servicepersonal unfreundlich ist … dann ist man doppelt enttäuscht, 
schließlich ist es ja die schönste Zeit des Jahres.

Zu Brautleuten sagte man auch, dass die Hochzeit der schönste Tag in ihrem Leben sei. Was für eine blöde Aussage. Nach der Hochzeit sollten die schönsten Tage noch kommen. Nach dem Sommerurlaub kommt die schönste Herbstzeit des Jahres, gefolgt von der schönsten Winterzeit des Jahres. 

Vor Jahren habe ich mein Lebensmotto so formuliert: Das Besondere liegt im Alltäglichen! Ich will die Augenblicke in meinem Alltag sammeln, die schön, wahr und gut sind. Mal angenommen ein Augenblick reicht von einem Lidschlag bis zum nächsten, dann erleben wir am Tag ca. 16200 Augenblicke, denn der Mensch blinzelt zwischen 11 und 19 mal pro Minute. Selbst in einer zehnminütigen Pause, erleben wir 1500 Augenblicke, da wird doch was Schönes dabei sein, oder?

Ich bin überzeugt, dass man die großen Feiertage, die besonderen Reisen oder den langersparten Urlaub auch nur genießen kann, wenn man zuvor das Besondere im Alltäglichen entdeckt hat.


Im Urlaub: Da musste ich zweimal hinschauen,
um das Boot zu entdecken = ein schöner Augenblick :)

PS: Auf Instagram bin ich die Augenblickesammlerin :)



.

Donnerstag, 6. September 2018

90 Sekunden

Da schreibe ich zwei Jahre lang hunderte von Seiten und dann soll ich spontan in 90 Sekunden sagen, worum es geht. Das ist schwieriger als man denkt! 






#Fontis#Asmarom#Jugendbuch#Neuerscheinung#Herbst



.

Dienstag, 10. Juli 2018

Worte und Taten

Letzten Samstag habe ich zum ersten Mal zu jemanden gesagt: "Ich bin Autorin."
Das ist ein großes Wort für mich, denn ich habe keinen Studiengang in Germanistik, Journalismus oder Literaturwissenschaften absolviert.
Autor ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Wann bin ich also eine Autorin – wenn ich schreibe, wenn jemand meine Texte liest, wenn ich damit Geld verdiene, wenn ich mit einem Verlag zusammenarbeite, wenn jemand mich Autorin nennt?

„Der Ort des Menschen ist die Tat“, sagte Augustinus.
Vielleicht trauen wir uns nicht, uns selbst als Musiker, Schriftsteller, Kunsthandwerker, Menschenrechtler oder Umweltaktivist zu bezeichnen. Das ist auch nicht nötig, wenn wir unsere Taten voller Leidenschaft sprechen lassen.



.

Freitag, 6. Juli 2018

Wortgewalt

Ich bin erschrocken, wenn Bekannte auf Facebook AfD-Sprüche liken und teilen. Ich wusste nicht, dass sie so denken. Über politische Themen spreche ich lieber von Angesicht zu Angesicht, nur so lassen sich Sorgen, Zweifel, Überlegungen in den Augen des Anderen ablesen.

Ich recherchiere für ein neues Projekt und dazu untersuche ich das Vokabular der NSDAP, wo gewalttätiges Vorgehen mit harmlosen Begriffen versehen wurden.
Sonderbehandlung meint die Vorbereitung zur Selektion.
Erfassen oder pflegen meint deportieren und töten.

Sprache hat viel Macht. Ich kann mit ihr Bilder und Stimmungen erzeugen. Geschickt eingesetzt, manipuliert sie unsere Assoziationen zu schwierigen oder unangenehmen Sachlagen.
Im Strafgesetzbuch von 1935, §2 steht: „Im Mittelpunkt des nationalsozialistischen Strafrechts steht das freie richterliche Ermessen und das gesunde Volksempfinden. Dieses wird höher bewertet als das formale Recht.“
Das gesunde Volksempfinden wurde damals durch einen Diktator gelenkt. Heute sind es wortgewandte und emotionale Sprecher aus Politik und Medien, die unseren Egoismus kitzeln und ihn dann als „gesundes Volksempfinden“ bezeichnen.

Das Wort Wende ist für die meisten von uns mit positiven Gefühlen besetzt: friedliche Revolution, Freiheit, Reisen, Selbstbestimmung und die Tante aus dem Westen kennenlernen. Dieses schöne kleine Wort nutzt Söder und spricht von Asylwende. Man möchte es so gerne glauben: Freiheit, Vereinigung von zerrissenen Familien, einfach Leben.
Flüchtlingstourismus: das erzeugt Bilder von Menschen, die mit bunten Rucksäcken durch Europa ziehen und sich nach Vorlieben einen Platz zum Leben zu suchen.
Ankerzentren oder Transitzentren. Wer denkt sich diese Worte aus? Gegen den Begriff Internierungslager wehrt sich Seehofer, denn das ist ja ein böses Nazi-Wort.

Am 3.7.2018 berichtete der Nachrichtensender B5aktuell über eine Statistik, wie viele Flüchtlinge die bayrische Grenze überqueren und in einem Transitzentrum untergebracht werden müssten. Es werden täglich ein bis fünf Menschen sein. Der Flüchtling mit seiner Plastiktüte und den Badeschlappen (ja und einem Handy) ließe sich auch in einem Gästebett in Oberaudorf unterbringen.

Ich will nicht von netten Wörtern eingelullt werden. Sie schaffen nur Distanz zu einem Problem, das gelöst werden sollte. Ich will keine hasserfüllten Wörter in meiner Timeline lesen. Sie schaffen Distanz zu einem Menschen, den ich mag.





.







Freitag, 29. Juni 2018

Krise in der Mitte des Lebens?




Als ich gefragt wurde, ob ich einen Artikel für FamilyNEXT über die Midlife Krise schreiben möchte, sagte ich ohne nachzudenken: "Ja!"
Und dann dachte ich nach und sagte: "Oje." 
Ich habe keine Midelife Krise und meinte, dass es ein Problem reicher Nationen sei, außerdem – wer kennt den Zeitpunkt seiner Lebensmitte?

Dem Redakteur wollte ich nicht absagen und ging dem Thema auf dem Grund, fragte in meinem Bekanntenkreis herum, interviewte "reife" Paare und betrachtete mich selbst.
Ja, die körperlichen Veränderungen kann man nicht leugnen und ja, ich verreise mit eigenem Kopfkissen, eigentlich ist es ein Nackenröllchen.

Es gibt etwas ganz Großartiges in der Lebensmitte zu entdecken … mehr in der FamilyNEXT 4/2018. http://www.family.de/artikel-aus-den-heften/

Was denkt Ihr, welche Chancen verbergen sich in einer Krise?
Ich freue mich über Eure Kommentare.






Freitag, 4. Mai 2018

Krisen

Ich habe gerade einen Artikel abgeliefert, der von Krisen und Chancen handelt.
Eine Krise sei etwas Positives, schließlich stammt das Wort aus dem Griechischen und bedeutet: Betrachtung, Beurteilung und Entscheidung. In der Medizin versteht man unter Krisis einen Wendpunkt.
Ja, eine Krise ist nichts Schlechtes. Nur wenn sie andauert, dann wird sie zur Katastrophe. Ich schlug meinen Lesern vor, eine auftretende Krise zu umarmen und willkommen zu heißen.

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, meine eigenen Ratschläge umzusetzen. Eine Krise stellte sich mir breitbeinig in den Weg. Ich trat ihr gegen das Schienbein und schrie: „Verschwinde! Es war alles gut, bis du kamst.“
Sie verschwand nicht, stattdessen stand sie herum.
Ich duckte mich an ihr vorbei. Ich machte Umwege. Irgendwann hockte sie auf dem Boden und jammerte: "Ich bin kein Störenfried, sondern ein Wendepunkt. So hast du das in dem Artikel geschrieben und der Grafiker hat ein hübsches Bild dazu gemalt."
Ich ging in die Knie und setzte mich zu ihr und da saßen wir und unterhielten uns. Sie fragte, welche Herausforderungen ich schon bewältigt hätte und wie ich es geschafft habe. Sie stellte viele Fragen und lud mich zum Betrachten und Beurteilen ein.
Sie ließ mich tief in mein Innerstes schauen:
Was treibt mich?
Was ist mir wichtig?
Was habe ich bewältigt?
Welche Erfahrungen habe ich gesammelt?

Wenn es unbedingt sein muss, soll die Krise eintreten.
Sie darf sich auf mein Sofa setzen, ich serviere ihr einen heißen Tee und lerne von ihr.
Aber bitte, Krise, komm nicht zu oft und bleib nicht zu lang.


.




Freitag, 20. April 2018

Fragen Teil 4

Die hartnäckigste Frage ist: Warum?
Diese Frage kann seine ungeheure Kraft entfalten, wenn man sie immer wieder stellt.
Warum? Warum ich? Warum jetzt?

Wir wissen, dass es keine Antwort gibt.
Alles was sich als Antwort tarnt sind Anklagen und Vorwürfe gegenüber sich selbst, Menschen und Umständen.

Das Konjunktiv trampelt auf unserem Herzen herum und martert die Gedanken:
"Hättest Du doch angerufen."
"Wärest Du nicht losgefahren."
"Hätte ich die Therapie gemacht."
"Wäre ich nicht die Beziehung eingegangen."

Die Suche nach Warum-Antworten gleicht einem Perpetuum Mobile. 
Sie hört nie auf und nimmt uns die Ruhe, um das Heute zu genießen. 


Es braucht Mut, 
sich den Fragen des Lebens zu stellen, 
aber es braucht noch mehr Mut, 
offene Fragen stehen zu lassen.



.