Freitag, 12. Mai 2017

TastenKunst


… wenn Ideen fließen. Wir arbeiten gerade an einem neuen Projekt. 
Klaudia Debrová komponiert Melodien zu meinen Geschichten, eine ganz feine, leichte Musik mit soviel Gespür für die Figuren.
Ich geniesse die Momente, wenn man nicht einsam am Schreibtisch hockt und die alte Schreibmaschine nutze ich tatsächlich ab und zu. 

Bald erscheint ein Hörbuch = große Vorfreude!



Montag, 10. April 2017

(kein)Unwort Teil 3

Nachdem ich Unwörter gekürt habe, wird es Zeit für ein Nicht-Unwort. Ein Jubelwort. Ein Meisterwort. Ein Wort mit Veränderungskraft, das sich nicht um sich selbst dreht.
Bitte und Danke sind solche Wörter und es erfordert jahreslanges Training, bis sie einem leicht über die Lippen kommen und zu einer guten Angewohnheit werden. 

Mit dem Meisterwort verhält es sich anders. Wir ringen mit ihm, weil es uns demütigt. 
Wir hören es selten und fast nie von Personen im öffentlichen Leben. Sie sagen nicht das Meisterwort. Nein, sie rudern zurück oder relativieren oder behaupten, es nicht so gemeint zu haben oder noch häufiger: sie schweigen.
Kürzlich wurde dem einjährigen Zugunglück in Bad Aibling gedacht. Zwölf Menschen starben. Der Unverfallverursacher war ein Bahnangestellter und wurde verurteilt. Doch die betroffenen Menschen vermissen ein Wort von der Deutschen Bahn. Sie bekundet zwar Bedauern, Fassungslosigkeit und Trauer, aber das eine Wort, das bei der Trauerbewältigung hilft, wird nicht gesagt.

Das Radio berichte über die Missbrauchsfälle der "Regensburger Spatzen". Die Aufklärung sei schleppend. Einige Geistliche sprechen ihr Mitgefühl aus, aber andere wehren sich gegen Verleumdung.
Ein Opfer sagt im Interview: "Ich möchte alles aufarbeiten und mir hätte ein Wort geholfen: Entschuldigung."
Was ist los mit uns? Wieso können wir es nicht sagen? ENTSCHULDIGUNG!
Nicht das schnell dahingesagte "Tschuldigung".
Keine Abkürzungen! Ohne Ent-schuldigung gibt es keine Ent-lassung von Schuld. 
Manchmal flüchten wir uns in ein "Sorry", aber diesem Wort fehlt die Tiefe.
Um die volle Kraft des Meisterwortes zu erleben, müssen wir es mit allen vier Silben aussprechen. Ent-schul-di-gung.
Das Meisterwort entlastet den Sprecher und den Empfänger. Es ist universell einsetzbar, in der Politik, auf Arbeit, im Alltag, in Beziehungen.
Keine Abkürzungen mehr! Kein zurückrudern! Kein relativieren!

Lasst uns das Meisterwort mit all seiner Größe und Tiefe verwenden
und seine Veränderungskraft spüren.



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Mittwoch, 5. April 2017

Unwörter Teil 2

Wenn eine Jury jedes Jahr ein Unwort kürt, wähle ich auch ein weiteres. Frust!
Erst Stress, dann Frust. Kennt man doch.
Die Zwei passen zusammen wie ein altes Liebespaar. Der Stress und die Frustration, sie sorgen dafür, dass sich alles um einen selbst dreht.

Frustration taucht häufig nach einem Erfolg auf. Das Gefälle von Aufstieg zu Niedergang oder von Gelingen zu Scheitern ist besonders groß. 
Frust leitet sich vom lateinischen frustratio ab und beschreibt die Täuschung einer Erwartung. Ich bin ent–täuscht! 
Die Frustration wirbelt um mich herum und zurrt meine Welt auf "ich – mich – mein" zusammen. "Ich bin entmutigt, wegen meiner Situation. Es geht mir schlecht, denn jemand hat über mich etwas gesagt."

Das Liebespaar Stress und Frustration schlingen die Arme umeinander und hüpfen zu Falkos Melodie im Kreis: "Der Mensch, der mir am nächsten ist, bin ich, ich bin ein Egoist." Stress und Frustration tanzen auf meinem Selbstwert und meiner Identität herum. Sie drehen sich im Kreis und ziehen meine Erwartungen in ihren Sog. 
Alles dreht sich, mir fehlt die Ruhe, um mich zu fragen:
Ist mein Anspruch an mich und andere zu hoch?
Ist das Gefälle von Anerkennung und Kritik zu groß?
Kann ich das hohe Lebens- und Arbeitstempo halten?
Lass ich mich von den Erwartungen anderer täuschen? 

Stress und Frustration. Ich mag die Zwei nicht. Sie wollen mir weismachen, dass meine Anstrengungen nie ausreichend sein werden. Das Lebenstempo lässt sich nur schwer drosseln und das ist frustrierend. 
Doch dem tanzenden Pärchen können wir die Musik abdrehen.
"Der Mensch, der mir am nächsten ist …" Stille!


Nachdenken: 
Unwörter löschen
Täuschungen enttarnen
den eigenen Rhythmus finden
zur persönlichen Lebensmelodie tanzen




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Mittwoch, 29. März 2017

Unwörter Teil 1

Die Unwörter des Jahres werden von Spezialisten gekürt, wie Lügenpresse (2014), Gutmensch (2015), Postfaktisch (2016).
Mein Unwort aller Zeiten: Stress!
Das Wort an sich sieht schon hässlich aus, gehetzt sein Klang und eng seine Bedeutung. Stress.
Andauernd höre ich es, viel benutzt, abgenutzt, eine richtige Wortinflation. 
Stress kann man sich machen, haben oder bekommen. 
Das Wort Stress ist noch nicht einmal hundert Jahre alt. Ein Biochemiker hat es in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts geprägt. Was haben nur unsere Großeltern gesagt, wenn es bei ihnen … war? 
Wenn mir das Wort über die Lippen huscht, dann aus Bequemlichkeit. Denn es ist leichter zu sagen: "Ach, es ist alles so stressig", als sich zu hinterfragen.
Wieso bin ich so kraftlos?
Habe ich mich übernommen?
Liegen meine Prioritäten richtig?
Manche tragen dieses Unwort wie eine Auszeichnung mit sich herum. 
"Ich habe so einen Stress." Kann bedeuten, ich habe viel zu tun, ich bin wichtig. 
Je stressiger mein Leben ist, umso wertvoller bin ich. Wirklich?

Wir müssen dem hässlichen Wort auf die Schliche kommen, 
bevor es unsere Lebensfreude zernagt.


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Mittwoch, 22. März 2017

Welttag

Fast jeder Tag ist ein besonderer Welttag. 
Es gibt Welttage, die auf Krankheiten aufmerksam machen, an historische Ereignisse erinnern oder für Missstände sensibilisieren. Vorgestern war der Welttag der Frankophonie. Gestern war der Welttag des Down-Syndroms. Heute ist der Weltwassertag. Es gibt auch Welttage, die keiner braucht z.B. Tag der Jogginghose.

21. März ist der Welttag des Down-Syndroms. Ich habe viele Kinder behandelt, die mit einem zusätzlichen 21. Chromosom ausgestattet waren und manchmal lief ein Gespräch unter Therapeuten so ab:
"Welche Diagnose hat deine Neuaufnahme?"
"Down-Syndrom."
"Wie ist die Kleine drauf?"
"Nun ja, ziemlich down. Schlaffe Muskeln, überdehnbare Gelenke, speichelt, verwaschen Sprache … irgendwie down."


Ich stelle mir vor, welche Assoziationen wir hätten, wenn der Kinderarzt, der dieses Syndrom beschrieb, nicht John Langdon-Down hieße.
Was wäre, wenn er Doktor John Best, Doktor Power oder Doktor Höchst geheißen hätte?
"Wie geht es ihrem Kind?"
"Gut, manchmal ist es schwierig. Es hat das Power-Syndrom."
Würde man dann nicht einen Menschen vor Augen haben, der voller Energie ist?

"Wir müssen zur Herzuntersuchung, denn mein Sohn hat das Höchst-Syndrom."
"Das Höchst-Syndrom? Das tut mir leid."
"Nein, muss es nicht. Er ist ein höchst fröhlicher Junge."
Höchst statt Down.

Ein Vater bezeichnete das zusätzliche Gen seines Kindes als Gelassenheits-Gen. Genial! Manchmal muss man den Dingen einen anderen, besseren, richtigeren Namen geben, damit sie nicht unsere Wahrnehmung verzerren.




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Montag, 20. März 2017

Nachklang

Manchmal beneide ich die Musiker. Sie einigen sich auf eine Tonart, Tempo, Stil und schon wird Musik gemacht. 
Das Schreiben ist eine einsame Angelegenheit, umso schöner, wenn ich dann in Gesellschaft meine Geschichten lesen darf.

Es war ein großartiger Abend im Café Herzog http://www.cafe-bar-herzog.de mit einem herzlichen Gastgeber, aufmerksamen Gästen und kreativen Unterstützern. Danke!

Was das Leben wertvoll macht? Gemeinschaft!
Jürgen Schwart und Christiaan Dekker
Thomas Rauscher liest Unheimliches
... wenn sich Texte und Musik spiegeln
Es sieht so aus, als lese ich gerade über meine persönlichen Unwörter.



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Freitag, 17. März 2017

dennoch

Was das Leben wertvoll macht?
Halt finden!
Lasst uns gemeinsam aufspüren, was das Leben wertvoll macht.
Ich freue mich auf einen Abend voller Leichtigkeit und Tiefgang und auf die Gedanken unserer Zuhörer.



Herzliche Einladung zur musikalischen Lesung!
mit Christiaan Dekker, Jürgen Schwart und Thomas Rauscher 
am Samstag, den 18. März
um 20 Uhr
im Café Herzog 
(Herzogplatz 17, 85604 Zorneding)


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