Donnerstag, 16. November 2017

Ganz verwaist schaut er aus – mein Blog. Dabei schreibe ich mehr als je zuvor. Ich bin von Worten fasziniert, fühle mit meinen Figuren, lerne und durchdenke.
Manche Texte finden ihren Weg nach draußen ... und manche ruhen noch.

die Artikel erschienen in lebenslust, family, Lydia 
und ein biografischer Text in Andi Weiss Geschichtensammlung         

 


"Worte sind reine Freiheit, sie sind Träger geistiger Schönheit und Manifestationen dessen, was sich in uns bildet, weil Inspiration und Intuition ihr selbstverständliches Mitspracherecht haben. Und doch sind es zugleich Erfahrungen, die durch die eigene Seele gegangen sind, Gedanken, die durchlebt sind." 
aus Herztöne von Martin Schleske, Verlag adeo, 2016

Ich wünsche Dir Freiheit und Schönheit.
Bis auf ein Wiederlesen … Susanne





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Samstag, 21. Oktober 2017

ein Nicht-Unwort

Nachdem ich Unwörter gekürt habe, wird es Zeit für ein Nicht-Unwort. Ein Jubelwort. Ein Meisterwort. Ein Wort mit Veränderungskraft, das sich nicht um sich selbst dreht.
Bitte und Danke sind solche Wörter und es erfordert jahreslanges Training, bis sie einem leicht über die Lippen kommen und zu einer guten Angewohnheit werden. 

Mit dem Meisterwort verhält es sich anders. Wir ringen mit ihm, weil es uns demütigt. 
Wir hören es selten und fast nie von Personen im öffentlichen Leben. Sie sagen nicht das Meisterwort. Nein, sie rudern zurück oder relativieren oder behaupten, es nicht so gemeint zu haben oder noch häufiger: sie schweigen.
Kürzlich wurde dem einjährigen Zugunglück in Bad Aibling gedacht. Zwölf Menschen starben. Der Unverfallverursacher war ein Bahnangestellter und wurde verurteilt. Doch die betroffenen Menschen vermissen ein Wort von der Deutschen Bahn. Sie bekundet zwar Bedauern, Fassungslosigkeit und Trauer, aber das eine Wort, das bei der Trauerbewältigung hilft, wird nicht gesagt.

Das Radio berichte über die Missbrauchsfälle der "Regensburger Spatzen". Die Aufklärung sei schleppend. Einige Geistliche sprechen ihr Mitgefühl aus, aber andere wehren sich gegen Verleumdung.
Ein Opfer sagt im Interview: "Ich möchte alles aufarbeiten und mir hätte ein Wort geholfen: Entschuldigung."
Was ist los mit uns? Wieso können wir es nicht sagen? ENTSCHULDIGUNG!
Nicht das schnell dahingesagte "Tschuldigung".
Keine Abkürzungen! Ohne Ent-schuldigung gibt es keine Ent-lassung von Schuld. 
Manchmal flüchten wir uns in ein "Sorry", aber diesem Wort fehlt die Tiefe.
Um die volle Kraft des Meisterwortes zu erleben, müssen wir es mit allen vier Silben aussprechen. Ent-schul-di-gung.
Das Meisterwort entlastet den Sprecher und den Empfänger. Es ist universell einsetzbar, in der Politik, auf Arbeit, im Alltag, in Beziehungen.
Keine Abkürzungen mehr! Kein zurückrudern! Kein relativieren!


Lasst uns das Meisterwort 
mit all seiner Größe und Tiefe verwenden
und seine Veränderungskraft spüren.



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Montag, 11. September 2017

Herbstlesung

Dennoch – was das Leben wertvoll macht
am Donnerstag, den 28. September 2017
um 19:30 Uhr im Gemeindecafé 
Högerstraße 1 in 85646 Anzing

Humorvolle Kurzgeschichten über Menschen, 
die trotz ihrer Handicaps das Leben genießen. 
Musikalische Begleitung: Christiaan Dekker (Gitarre/ Gesang) 




Mittwoch, 9. August 2017

unterwegs mit E.

Seit E. in der Gastronomie arbeitet, sehen wir uns nicht mehr so oft und wenn, dann genießen wir die Freizeit. Nach seiner Sonntagsschicht sind wir nach München gefahren. Ich bin gerne in der Stadt, wenn die Geschäfte geschlossen haben. Dann kann man wirklich bummeln, sonst wird man vom Kundenstrom und deren gewaltigen Einkaufstüten fortgerissen.
Wir posierten am Lehnbachbrunnen, schlenderten durch den alten botanischen Garten und zeigten ihm den kleinen Stachus, der in den Brunnen strullert.
Vor den Schaufenstern beim Oberpollinger drückten wir uns die Nasen platt. Unsere Kinder hatten Spaß daran, die teuersten Designerstücke ausfindig zu machen.
Gucci 1250€, Laurent 2765€, Vuitton 3040€. Gucci war verhältnismäßig günstig.
E. sah uns verständnislos an. Wir zeigten mit den Fingern auf die Taschen, dann auf die kleinen digitalen Preisschilder. E. lachte. Es war ein herzhaftes Lachen, als wenn man einen guten Witz erzählt hätte. Wir erklärten. Er schüttelte den Kopf. Wir zeigen. Er kräuselte die Stirn. Wir nickten. Er staunte.
Es war ein Kaisers-neue-Kleider-Moment: das sind doch nur Taschen! Nicht mehr. 
Man kann sie auch nur als Tasche verwenden. Nicht mehr. 
Sein Lachen hatte etwas entlarvendes.






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Mittwoch, 2. August 2017

über E.

Bevor wir E. kennenlernten, wusste ich nur, dass Eritrea ein Land in Afrika ist, indem Christen verfolgt werden. 2015 stand es auf dem dritten Platz im Weltverfolgungsindex von Open Doors https://www.opendoors.de2017 sind sie auf den 10. Platz gerutscht, aber nicht, weil sich die Lage verbessert hätte, sondern weil sich die Situation in Ländern wie Somalia, Pakistan, Irak verschlechtert hat.
Ich würde gerne mehr über Eritrea erfahren, aber E. erzählt nur wenig und über den Militärdienst und seine Flucht spricht er gar nicht. Auf Googleearth suchen wir sein Dorf. Er klatscht in die Hände als wir es finden und zoomen sein Elternhaus ran. Ich sehe nur gelbe Fläche mit braunen Vierecken. Ein karges Land mit hohen Bergen und einem schmalen Küstenstreifen. Es war eine italienische Kolonie und die Menschen lieben noch immer Pasta. Zur Not essen sie auch Hyänen. Wir schauen ihn überrascht an und er lacht. 
Das ist das Erstaunlichste an ihm: er lacht viel und verteilt Umarmungen. 
Manchmal frage ich mich, ob E. bewusst war, was er alles auf unbestimmte Zeit zurücklassen musste. Mit einem erzwungenen lebenslangen Militärdienst hätte er seine Familie nicht versorgen können und wer kann mit der Bedrängnis leben, um des Glaubens willen für Jahre in einen Container gesperrt zu werden?
Es steht mir nicht zu, zu urteilen und ich bin nicht fähig, politische Lösungen aufzuzeigen. Ich bin nur fähig, mein Heim zu öffnen und E. etwas Familienleben zu schenken. E. revanchiert sich, indem er eifrig im Haus und Garten hilft. Er nimmt jede Arbeit sehr ernst und hat beim Rasenmähen alle meine Blümchen geköpft. 
Das muss ich ihm noch erklären, dass wir uns Dinge leisten, nur weil sie schön sind. Schönheit braucht Freiheit. 



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Mittwoch, 26. Juli 2017

ein besonderer Ort

Ich wäre nicht auf den Gedanken gekommen, an solch einem Ort zu lesen. 
Schön, dass jemand anderes die Idee hatte und ich bin überrascht, wie meine Figuren in einer Pflegeschule durch die Gänge schleichen und Spuren hinterlassen.
Es war mir eine Freude an diesem besonderen Ort zu lesen.