Dienstag, 17. Mai 2016

vereint

Anfang Mai sind meine lyrischen Texte nach Karlsruhe zum Christival spaziert.
Die Lyrik blieb nicht für sich allein, sie hat sich mit einem Maler verbündet. Auf großen Plakaten verweilten sie. Pinselstrich und Buchstabe.
Sie gaben dem Betrachter Zeit, Impulse wahrzunehmen und Gedanken zu verstehen. 
Manche Menschen mögen eher den Ton als das Bild, daher haben sich Musik und Sprache dazugesellt und gaben dem Gemälde und der Lyrik eine Stimme.
Vier Ausdrucksformen, ein Thema: Versöhnung. 
So ist Kunst am Schönsten – vereint.



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Montag, 25. April 2016

wie ich den Autorenberater wegschickte

"Waaaaas? Drei Wochen nichts gepostet?", schreit der Autorenratgeber*.
"Aber ich habe ja geschrieben … nur nicht hier."
"Zählt nicht, du musst mediale Präsenz zeigen." Der Autorenratgeber steckt seinen Zeigefinger aus und fuchtelt vor meinem Gesicht herum.
Etwas leise, aber deutlich widerspreche ich: "Aber wenn ich andauernd poste und blogge, kann ich mich nicht um meine Romanfiguren kümmern."
"Jammer nicht rum, andere können das auch!"
Ich verschränke meine Arme vor der Brust und stampfe mit dem Fuß auf.
"Ich bin aber nicht A-N-D-E-R-E!"
Der Autorenratgeber verstummt. Etwas zögerlich öffne ich die Tür und schiebe ihn hinaus. Mit hängenden Schultern steht er vor dem Haus. Er tut mir Leid, denn er hat es immer gut mit mir gemeint. Er trottet die Straße entlang und ich winke ihm hinterher, aber er bemerkt es nicht.
"Später", denke ich, "später darfst du gerne wieder mein Gast sein."
Zurück an meinem Schreibtisch kann ich mich endlich meinem Projekt widmen mit all den wunderbaren Figuren.
Sie brauchen mich! Wirklich!
Das ist der adipöse Max. Seine Mutter meint, er ist total bekloppt: wenn man schon eine Essstörung hat, dann doch besser magersüchtig als fettleibig. Ob er wüsste wie peinlich es ist, eine Puddingwalze als Sohn zu haben?
Max braucht mich!
Die gute Jolanta braucht mich auch, man kennt sie nur als Polenputze – von wegen – sie ist ein Schatz, aber keiner weiß das.

Falls es hier bei BuchstabenKunst etwas ruhiger wird, 
dann bin ich gerade mit meinen Figuren unterwegs 
und passe auf, dass es ein gutes Ende mit ihnen nimmt.

PS: Wir lassen uns doch nicht vorschreiben, was MAN, ANDERE oder JEDER macht.

*Der Autorenratgeber ist das "Handbuch für Autorinnen und Autoren" aus dem Uschtrin Verlag.

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Mittwoch, 6. April 2016

wortlos


Ich bin immer auf der Suche nach dem richtigen Wort, die treffende Formulierung oder dem passenden Vergleich.

Doch manchmal bin ich hilflos wortlos und fühle nur mit, wenn Freunde durch einen großen Schmerz gehen.

… dann werden Tränen zu einer Sprache der Liebe …










Bild: Susanne Ospelkaus 2009




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Montag, 21. März 2016

Angewohnheiten

Man müsse nur durchhalten und sich zusammenreißen, dann ließe sich nach drei Wochen eine gute Angewohnheit etablieren.
Ich schrieb am 19. Februar, dass man mit etwas Disziplin eigene Verhaltensweisen ändern könne und nun verkündige ich mein Resultat – ich habe versagt.
Ich wollte meinen Tag effektiv nutzen und mit meiner Schreibtischarbeit beginnen, wenn meine Familie noch schläft. Ich stand um 4 Uhr auf und saß mit bleiernen Gedanken und Gliedern vor meinem Laptop. Zweieinhalb Stunden später weckte ich meine Kinder und machte ihnen Frühstück. Anschließend schlafwandelte ich durch den Tag.
Ich probierte es am nächsten Tag erneut und quälte mich übermüdet durch den Tag. 
Es heißt, Genies brauchen wenig Schlaf. Nach 20 Stunden aktiv sein, konnte ich nicht einschlafen. Bin ich ein Genie?
Nein, ich bin müde, gereizt, gefrustet. Ich schreibe mittelmäßige Texte, erledige mein Tagwerk freudlos und schreie meine Kinder an.
Ich gebe auf, denn ich bin weder Eule noch Nachtigall
Nun versuche ich etwas anderes, einfach schreiben, auch wenn die Umstände nicht ideal sind. 
Küchentür zu, Kinder raus – schreiben. 
Warten beim Zahnarzt – schreiben. 
Autofahren – schreiben (im Kopf). 
Ehemann schaut Fußball – schreiben. 
Fahre S-Bahn – schreiben.
Manchmal träume ich davon, mich auf einer Hallig oder auf einer Berghütte zurück zu ziehen, doch das erlaubt der Alltag nicht. Eine kleine Auszeit am Küchentisch kann zu meiner Hallig werden oder der Moment auf dem Balkon zu meiner Berghütte. Ich gewöhne mir an, diese Augenblicke zu nutzen. Das schaffe ich!

Mittwoch, 9. März 2016

Hast Du das nicht mitbekommen?

Zorneding, mein Wohnort, ist seit Sonntag in der Presse: Merkur, SZ, Spiegel, Die Welt, Bild, BBC. 
Zorneding ist in der Presse, weil der katholische Pfarrer zurückgetreten ist. 
Er erhielt Morddrohungen für seine Kritik an rechtspopulistischen Äußerungen der örtlichen CSU. 
Ach ja, das muss ich erwähnen, er stammt aus dem Kongo. Ein afro-deutscher Geistlicher bezieht Position zu politischen Ereignissen, wird dann als Neger betitelt und solle nach Auschwitz gehen.
In meinem Bekanntenkreis wurde ich daraufhin angesprochen: "Habt Ihr etwas bemerkt?" oder "Hast Du das nicht mitbekommen?" Nein. Leider.
Wurde zuvor nichts veröffentlicht, um die polizeilichen Untersuchungen nicht zu gefährden? Die Zornedinger hätte Olivier Ngjimbi-Tshiend unterstützt, wenn es von der Anfeindung gewusst hätte oder war gar der Gemeinde- und Kirchenrat informiert?
Ich kann die abgegriffenen Formulierungen nicht mehr hören … wir sind betroffen … bestürzt … entsetzt… wir bedauern … wir setzen ein Zeichen … wir solidarisieren uns …
Nun gibt es Petitionen, dass der Pfarrer bleiben möge und für heute Abend wird eine Lichterkette organisiert. Ja, das ist gut und doch ist es mir zu wenig. 
Es kostet uns nicht wirklich etwas.
Rosa Parks (USA, Bürgerrechtsbewegung, 1955) blieb im Bus auf einem Sitzplatz für Weiße sitzen, wurde verhaftet und daraufhin protestierten alle anderen Farbigen, indem sie keinen Bus mehr nutzen und kilometerweit zur Arbeit liefen. 
Da hat der Protest noch etwas gekostet. Zeit. Kraft. Entschlossenheit.


Was kostet mich mein Protest
… ein Klick am heimischen PC für eine Petition
… eine brennende Kerze im Marmeladenglas




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Mittwoch, 2. März 2016

schwierige Sprachen

Sie sind immer wieder in den Medien. Sie lächeln, witzeln und reden. 
Sie sprechen über 20 Sprachen, darunter auch exotische wie Plattdeutsch oder Maltesisch – die Youlden Zwillinge. Irgendwie entmutigt mich das. Es kostet mich viel Energie meine Fremdsprache aufzubessern, manchmal kostet es auch viel Anstrengung die Muttersprache regelgerecht einzusetzen. Getreu dem Spruch: 
Mir und mich verwechsel ich nicht. Das kommt bei mich nicht vor.

Immer wieder klagt Elos, unser eritreische Freund, dass die deutsche Sprache so schwierig sei: Deklination, Konjugation, Präposition, Irritation!
Deutsch gehört nicht zu den schwierigsten Sprachen, las ich. Man könne sie in ca. 750 Stunden erlernen ähnlich wie Englisch und Spanisch. Viel schwieriger sei Finnisch oder Ungarisch, da bräuchte man über 1000 Unterrichtsstunden.
Ich tröste Elos mit der Information, dass das deutsche Alphabet nur 26 Buchstaben habe, das Alphabet seiner Muttersprache Tigrinya hingegen 250.
"Siehst du Elos? Deutsch ist einfach!"
"Ja. Aber schwer … der, die, das … der Sonne?"
"Nein, die Sonne."
"Die Mond?"
"Nein, der Mond, aber irgendwann fühlst du den richtigen Artikel?"
"No problem."

Ich habe sogar verstanden, wie Tigrinya auf so viele Buchstaben kommt. 
Während wir immer einen Konsonanten mit einen Vokal kombinieren, haben sie dafür einen eigenen Buchstaben.
Das hilft Elos aber nicht weiter. Also üben wir und lesen Kinderbücher wie 
"Dr. Brumm". Immer wenn Elos lacht, weiß ich, dass er den Text verstanden hat und Humor gehört schließlich zu den schwierigsten Sprachen. 
Warum sonst versteht man wenig Spaß und lacht am wenigsten über sich selbst?



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Mittwoch, 24. Februar 2016

nah gebracht

Ich mag viele Musikstile, wenn man sie mir nah bringt.
Ich geniesse Django Reinhardt, weil ich Romas kennengelernt hatte und in ihr Leben schauen durfte.
Ich höre die Progressive-Metall-Band Dream Theater, weil mich die Begeisterung eines Gitarristen angesteckt hatte.
Ich träume mit Chopin Nocturne, weil sich die Musik ganz im Dienst menschlicher Stimmungen stellt. Sie will nichts erklären.

Letzten Sonntag durfte ich bei einer facettenreichen Veranstaltung dabei sein.
Klaudia Debreova spielte Chopin und Beethoven als wären es ihre eigenen Kompositionen. Sie hätte auch wundervoll gespielt, wenn es keinen Zuhörer gegeben hätte. Die Stücke verlangten Vortrefflichkeit.
Klaudia Debreova am Flügel

Teresia Ndigai sang eigene Lieder auf Suaheli und die fremde Sprache wirkte trotzdem vertraut, weil wir auch Gefühle des Zweifelns und Hoffens kennen. 
Teresia Ndigai
Ich las meine Geschichten über Claas Osterkamp und Uwe Feddersen und merkte erst hinterher, dass das Münchner Publikum nur norddeutschen Figuren kennengelernt hatte. 
Die Musik hatte diese Geschichten irgendwie eingefordert und ich musste ihr gehorchen.


Eine wunderbare Vielfalt der Kunst! Gerne wieder :)




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