Dienstag, 9. April 2013

Mein Unwort

Die Unwörter der letzten Jahre hießen „Opfer-Abo", „alternativlos“ oder „Wutbürger“.
Mein Unwort ist „Stress“. Das Wort sieht schon hässlich aus, gehetzt seine Bedeutung und eng der Klang. Andauernd höre ich es, viel benutzt, abgenutzt, eine richtige Wortinflation.

Stress kann man sich machen, haben oder bekommen, ob auf Arbeit, in der Familie, im Ehrenamt, während der Freizeit, beim Aldi (wobei, da ist es wirklich stressig).
Das Wort „Stress“ ist noch nicht einmal hundert Jahre alt. Ein Biochemiker hat es in den 40er Jahren geprägt. Was haben nur unsere Großeltern für Wörter benutzt, wenn es bei ihnen … war?

Wenn mir das Wort über die Lippen huscht, dann aus Bequemlichkeit. Denn es ist leichter zu sagen:
„Ach, es ist alles so stressig.“ als zu fragen: Wieso bin ich so kraftlos? Habe ich mich übernommen?
Liegen meine Prioritäten richtig? Ernähre ich mich ausgewogen? Schlafe ich ausreichend? Vergleiche ich mich? Fühle ich mich ungeliebt? 

Man muss dem hässlichen Wort auf die Schliche kommen, denn es gibt das Besondere im Alltäglichen und das will stressfrei entdeckt werden.


Keine Kommentare: