Freitag, 19. Juni 2015

Frust auf bayrisch

"Lehrjahre sind keine Herrenjahre!", das sagte meine Oma immer.
Die Lehrjahre als Therapeut habe ich hinter mir, aber als Autorin bin ich mittendrin und das kostet immer wieder Überwindung, vor allem, wenn ich mit Veranstaltern über meine Lesungen spreche. Ich muss mich mit Geduld, Freundlichkeit und Ausdauer wappnen.

Manche Gespräche sind toll und andere laufen am Telefon so ab:

Ich (freundlich): "Grüß Gott, ich heiße Susanne Ospelkaus."
Er: "Wos hams gsogd?"
Ich (luftholend): "Ospelkaus … ich bin Autorin und wollte mich Ihnen vorstellen."
Er: "Mei, moacht ja nix."
Ich (energisch):"Ich mache mit anderen Künstlern Lesungen und dachte …"
Er (stolz):"Naa, a Gesprächsgruppn ham ma scho."
Ich (bemüht):"Ja schön, aber ich veranstalte eine Lesung."
Er (erhaben): "… und a Stammtisch ham ma a."
Ich (verzweifelt): "Lesungen mit Musik, wir haben schon einige im Landkreis gemacht."
Er (lustlos):"So was brauchen mia ned."
Ich (resignierend):"Darf ich Ihnen ein Exposé zusenden, vielleicht …"
Er (abweisend):"Den Kas koanst dir sparn!"
Ich (enttäuscht): "Na dann, einen schönen Tag noch."
Er (abwesend): "Pfiad Gohd!"

Ich lege auf und bin traurig, anschließend verärgert, dann nachdenklich und letztendlich entmutigt. Du bist zu empfindlich, sage ich mir. Musst robuster werden, härter und schlagfertiger und selbstbewusster und … aber wenn ich das wäre, würde ich dann auch noch gute Texte schreiben?


Wie wäre es, wenn ich ungute Begegnungen schneller überwinde?

Wenn ich mein Herz hart mache, verkanten sich unfreundliche und unbedachte Worte. Sie hängen fest. Aber wenn ich mein Herz weich und dehnbar lasse, wird Entmutigung abrutschen. Sie findet keinen Halt.


Unangenehme Gespräche bleiben nicht aus, 
aber ich kann beeinflussen, 
was sie mit mir machen. 
Pack ma´s! 





Keine Kommentare: