Montag, 31. August 2015

aufgehübscht

Ich bin zurück aus dem Urlaub, wo ich mit meinen Lieben viele schöne Augenblicke gesammelt habe. Die Orte schmückten sich nicht nur mit Sonnenschein, Wiesen und Bauwerken, sondern auch mit den Namen berühmter Dichter.
So gesehen, reisten wir vom Grab Theodor Storms weiter bis zum Sommersitz von Kurt Tucholsky und endeten am Geburtshaus von Heinrich von Kleist.

Für den Tourismus kramt auch jeder Gastronom in den Geschichtsbüchern und verwertet es auf der Speisekarte.
In Dresden besuchten wir mal ein Gasthaus, in dem Friedrich Schiller genächtigt hatte. Der junge Schiller war scharf auf die Wirtstochter Gustel, aber Gustel war ein braves Mädchen. Schiller erbost von der Abweisung, verunglimpft sie in seinem Wallenstein und das stand alles auf der Speisekarte. 

Mal ganz ehrlich, machen wir das nicht auch – uns aufhübschen? 

Da kramen wir Titel oder Auszeichnungen hervor, um uns besser zu fühlen oder besser dazustehen. Wir schmücken uns mit einem Prominenten, ob Künstler, Sportler oder Politiker. Ein Selfie ist rasch gemacht und sichtbar auf FB & co.

Ich habe mich auch einmal mit einem Prominenten unterhalten. Carolin Reiber. Meine Oma wird sie noch kennen. Letztens traf mein Mann Howard Carpendale in Garmisch-Patenkirchen. Sie gaben sich die Klinke in die Hand. Die Klinke vom Klo.
Nun ja, mit VIPs können wir nicht angeben. 

Wir hübschen uns gerne ein bisschen auf und wünschen uns Aufmerksamkeit wie die Häuser auf Usedom. Ein poliertes Schild an den Villen verkündet "Hier nächtigte Theodor Fontane" oder "Hier weilte Kurt Tucholsky".
Neidlose Aufmerksamkeit erhalten wir nur von Menschen, die uns lieben. 
Sie sehen, was wir geleistet haben. 
Sie wissen, wie viel Überwindung es uns gekostet hat. 
Sie nehmen uns in den Arm.
Sie klopfen uns auf die Schulter und freuen sich mit uns.
Sie sind die stillen VIPs in unserem Leben und mit ihnen schmücke ich mich gerne.


PS: Wir waren zuerst auf Husum, dann auf Usedom und zuletzt in Frankfurt an der Oder. 


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