Donnerstag, 24. September 2015

üben, üben, üben

Ich veranstalte sie, bin mittendrin und geniesse sie.
Doch selbst gehe ich selten zu einer Lesung. Dabei mag ich die Atmosphäre, die Geschichten und die Schriftsteller, doch nur wenige sind geübte Sprecher. 
Es fällt mir schwer, ihren Texten zu folgen und dann träume ich vor mich hin oder 
beobachte die anderen Besucher.

Damit das meinen Gästen nicht so ergeht, übe ich mit einem Profi. 
Er ist Synchronschauspieler und gibt sich viel Mühe mit mir. Sein häufigster Satz: 
"Spürst du es denn nicht?"
"Doch."
"Nein! Es klingt nicht echt."
Ich nicke ratlos und probiere es erneut. Er unterbricht mich.
"Du hast doch den Text geschrieben, spürst du es denn nicht?"
"…?"

Wir sezieren jedes Wort. Er erklärt mir meinen Text, motiviert und dirigiert mich durch die Zeilen. Wir üben und üben und üben.

So ist die Vortragskunst und so ist auch die Lebenskunst. 
Man spürt das Leben nicht, wenn man andere kopiert oder sich verstellt.
Das Leben ist nur wohltuend und erfüllend, wenn es echt ist.

… und ich übe weiter.

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