Donnerstag, 3. Dezember 2015

über Geld, Sex und Lebensglück

Gestern brachte ich meine Kinder zur zahnärztlichen Routineuntersuchung und ich hatte genügend Zeit, die Wartezimmerlektüre zu studieren.
Asterix, Bravo und Cosmopolitan – am anspruchsvollsten war Asterix. Die Cosmopolitan ist ein Bilderbuch für die (angeblich) mode- und selbstbewusste Frau. Bunte Seiten erklären wie das Leben (besser) funktioniert: schöner Aussehen, beliebter werden, sich begehrenswert fühlen und Sex zelebrieren, inklusive Fakten und Meinungsumfragen zum Intimleben. Ob es jemals eine wahrheitsgemäße Antwort bei einer Sexumfrage gegeben hat? Zwischen Seiten über Designerklamotten und Beautytipps stand der Artikel "Geld macht nicht glücklich". 
Wie ein Trost klingt es oder eher wie Hohn? 
Das teure Zeug, das zwischen den Seiten protzt, kann sich kaum einer leisten und daher quetscht man den Text dazwischen: Geld macht nicht glücklich! 
Man sagt das so, angeblich sei es eine Volksweisheit, aber ich glaube sie nicht (genauso wenig wie Meinungsumfragen zum Sexualleben).
"Ein geringes Einkommen verschärft den emotionalen Schmerz, der Unglücke wie Scheidung, Krankheit oder Einsamkeit begleitet", schreibt der Ökonom Angus Deaton.
Ich hatte eine Lebensphase erlebt, wo ich die Prospekte der Discounter durchforstete, um möglichst sparsam den Wocheneinkauf zu bewältigen, Kinderkleidung bekam ich geschenkt und Spielzeug geliehen. Ich bin trotz allem gut durch diese Zeit gekommen, aber die Lebensqualität steigt, wenn man nicht mit jedem Euro rechnen muss. 
Geld macht glücklich, sagt auch eine Studie der Universität Princeton, allerdings nur bis zu einem Jahresnettoeinkommen von 75.000 Dollar, das entspricht einem Monatseinkommen von ca. 5000 € netto. Mehr Geld steigert aber nicht das persönliche Lebensglück.
Warum? 
Weil man die Dinge, die noch zufriedener machen würden, nicht kaufen kann, wie Gesundheit, Zeit und emotionales Wohlbefinden.
Was nützt mir diese Studie? Nicht viel. 
Lebensfreude verdichtet sich auf: Zufriedenheit und Dankbarkeit. 
Wenn man etwas mehr Geld zur Hand hat, dann darf man es geniessen und großzügig sein.
Ich las in einer anderen Studie, dass es glücklich mache, wenn man teilt (Geld, Zeit, Talente). Teilen setze positive neuropsychologische Prozesse in Gang und das sei gut für das eigene Lebensglück. 

Vielleicht mache ich es so wie meine Oma. Ab und zu zitiert sie den alten Kirchenvers: 
Danken 
schützt vor wanken. 
Loben
 zieht nach oben.



.






Keine Kommentare: