Mittwoch, 9. März 2016

Hast Du das nicht mitbekommen?

Zorneding, mein Wohnort, ist seit Sonntag in der Presse: Merkur, SZ, Spiegel, Die Welt, Bild, BBC. 
Zorneding ist in der Presse, weil der katholische Pfarrer zurückgetreten ist. 
Er erhielt Morddrohungen für seine Kritik an rechtspopulistischen Äußerungen der örtlichen CSU. 
Ach ja, das muss ich erwähnen, er stammt aus dem Kongo. Ein afro-deutscher Geistlicher bezieht Position zu politischen Ereignissen, wird dann als Neger betitelt und solle nach Auschwitz gehen.
In meinem Bekanntenkreis wurde ich daraufhin angesprochen: "Habt Ihr etwas bemerkt?" oder "Hast Du das nicht mitbekommen?" Nein. Leider.
Wurde zuvor nichts veröffentlicht, um die polizeilichen Untersuchungen nicht zu gefährden? Die Zornedinger hätte Olivier Ngjimbi-Tshiend unterstützt, wenn es von der Anfeindung gewusst hätte oder war gar der Gemeinde- und Kirchenrat informiert?
Ich kann die abgegriffenen Formulierungen nicht mehr hören … wir sind betroffen … bestürzt … entsetzt… wir bedauern … wir setzen ein Zeichen … wir solidarisieren uns …
Nun gibt es Petitionen, dass der Pfarrer bleiben möge und für heute Abend wird eine Lichterkette organisiert. Ja, das ist gut und doch ist es mir zu wenig. 
Es kostet uns nicht wirklich etwas.
Rosa Parks (USA, Bürgerrechtsbewegung, 1955) blieb im Bus auf einem Sitzplatz für Weiße sitzen, wurde verhaftet und daraufhin protestierten alle anderen Farbigen, indem sie keinen Bus mehr nutzen und kilometerweit zur Arbeit liefen. 
Da hat der Protest noch etwas gekostet. Zeit. Kraft. Entschlossenheit.


Was kostet mich mein Protest
… ein Klick am heimischen PC für eine Petition
… eine brennende Kerze im Marmeladenglas




.

Keine Kommentare: