Montag, 8. August 2016

rumgezappt

Ich hasse bügeln. 
Damit mir die Tätigkeit nicht allzu langweilig wird, schalte ich den Fernseher ein.

Ich bügle ein Hemd – im ARD läuft Sturm der Liebe
Ich weiß, wo die Serie gedreht wird und das Filmhotel Fürstenhof steht. Früher sind wir da spazieren gegangen und die Kinder spielten am Wasserlauf. Jetzt ist alles abgesperrt. Am Fürstenhof wird geliebt, gehasst, sich versöhnt und intrigiert. Die Kamera schwenkt auf einen zerklüfteten Gipfel. Kenne ich: Kampenwand. 
Mit den Liebesschwüren gleitet die Linse über einen See. Kenne ich: Tegernsee. 
Bei einem Wutausbruch ziehen Gewitterwolken über einen Berg. Kenne ich: Ödberg.

Ich bügle einen Rock – im WDR erklärt mir ein schlauer Mann, wie Toilettenpapier hergestellt wird. Alles ist genormt. Die Blattlänge beträgt 10cm und die Perforation reißt bei einer Zugkraft von (habe ich vergessen) Newton. Europäer sind Falter. Sie falten ihr Toilettenpapier vor der Benutzung. Das ist umweltschonend. Amerikaner sind Knüller. Sie knüllen die Toi-Blätter. Das ist nicht umweltschonend. Typisch Amerikaner.

Ich bügle eine Bluse – auf RTL labert Thomas Anders. Er sitzt auf einem Liegestuhl, mit einem Cocktail in der rechten Hand und mit der linken wedelt er über seinen Besitz: die Villa mit Pool auf Ibiza. Gerade habe er ein 1000 Euro teures Menü verspeist, so berichtet der Journalist. Dann faselt Anders, dass Luxus nicht wichtig sei. Viel wichtiger sei doch die Familie und das man Zeit füreinander habe.
Glaubwürdiger wäre die Aussage, wenn mir das der Bauarbeiter aus der Platte erzählt, der eine 50 Stundenwoche hinter sich hat und mit einem kühlen Bier auf seinem Balkönchen steht, während sich ein Kind an sein Bein klammert und die Mutti ruft: "Schatz, die Bouletten sind fertig."

Ich bügle Hemden, Röcke, Blusen und 
denke an Berggipfel, Toilettenpapier und Luxus.
Mein Luxus ist gleich nebenan: der Mann, die Kinder, die Katze!



.

Keine Kommentare: