Freitag, 21. Oktober 2016

über Erika

Letztens fand im Münchner Gasteig eine Podiumsdiskussion über Jugendliteratur statt.
Es diskutierten ein Lektor, eine Verlegerin, ein Autor und ein Psychologe über die Frage: wie kann man Jungs für Literatur begeistern?
Auf der Bühne wurden Abenteuerbücher für Zehnjährige zerpflückt. Da war ein Junge, der mit seinem Opa auf Bärenjagd geht. Der Opa erlegt das Tier und der Bub rammt sein Messer hinein. Der Vater war dazu unfähig.
Der Psychologe interpretierte: "Die Unfähigkeit des Vaters einen Dolch in das Fleisch zu stossen, ist eine Metapher für seine Unfähigkeit, eine Frau zu befriedigen."
Au Backe – und das wollte der Autor Kindern vermitteln?

Eine Bibliothekarin meldete sich zu Wort. Das eigentliche Problem sei doch, das Kinder nicht mehr lesen und wenn, dann nur noch Comics.
Es folgte ein Wortwechsel, ob Comics einen literarischen Wert haben.
"Natürlich!", wollte ich sagen. Donald Duck ist Literatur (jedenfalls in der deutscher Übersetzung).
Erika Fuchs hatte sie erarbeitet und jonglierte mit Verben und Namen. In den Sprechblasen versteckte sie Zitate großer Dichter. Selbst Tick, Trick und Tracks Ausspruch entlehnte sie Schillers Rütlischwur. 

So wie die Bücherkenner an dem Abend Comics belächelten, wurde auch die gute Erika belächelt. Und jetzt? 
Sie hat ein Museum und ein Fachbegriff mit ihrem Namen: Erikativ. Das sind die Wörtchen wie autsch, bäng, grübel, seufz, knarr
Sie hat ganze Kindergenerationen unterhalten. Ich habe durch ein Mickey Maus Heft erfahren, dass es die Stadt Machu Picchu gibt. Bitteschön, Comics bilden!

Wahrscheinlich erfahren wir nie, wie unsere Leidenschaft andere beeinflusst und wahrscheinlich bekommt auch keiner von uns ein Museum.
Eins ist sicher: unsere Leidenschaft kann ein Geschenk für unsere Mitmenschen sein.


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