Donnerstag, 15. Dezember 2016

Vorfreude

"Vorfreude schönste Freude, Freude im Advent", tönt ein altes Weihnachtslied.
Die Vorfreude ist etwas Besonderes. Kinder können sie mit Körpereinsatz zelebrieren, ob hüpfen, in die Hände klatschen, lachen, rumzappeln, im Kalender nachschauen und fragen: "Wann ist es endlich so weit?"
Man kann die Zeit bis zum Urlaub, bis Weihnachten, bis zum Wochenende mit sehnsüchtigem Warten verbringen oder sich einfach darauf freuen.

Da ich ungern Süßspeisen zubereite, gibt es selten Nachtisch. Doch wenn die Kinder das Löffelchen am Gedeck sehen, fragen sie: "Was gibt es denn?"
"Eintopf."
"Nein, danach."
Meine Oma nannte den Dessertlöffel einen kleinen Propheten. Er kündigte eine wunderbare Süßspeise an – Vorfreude, während man die Suppe löffelte.

Wir haben die Vorfreude fast verlernt, weil wir zu beschäftigt sind. 
Da sehnt man sich nach einem Ding und wenn man es hat, ist man überrascht, 
dass man nicht mehr Glück empfindet.

Wissenschaftler haben sich damit beschäftigt, wie lange die Freude anhält, wenn man das Ersehnte endlich in den Händen hält. Sie haben die Vorfreude gemessen, das Glück, wenn das Ereignis stattfindet und wie lange die Freude anhält.
Jetzt kommt es! 
Die größten physiologischen Veränderungen im Hirn, waren vor dem Ereignis zu messen und zwar im linken präfrontalen Cortex.

Vorfreude braucht Zeit. Die alten Kirchenväter wussten das und haben bewusst die Adventszeit zelebriert und dabei stand nicht die Vorfreude auf ein Geschenk im Vordergrund.
Die Vorfreude hat es nicht eilig, aber alles um uns herum ist in Eile. 
Man kann sich schnell die begehrten Sachen besorgen, selbst, wenn man kein Geld hat. Schulden? Na und!

Die Vorfreude kann Brücken durch die Zeit bauen.
2009, mein Trauerjahr, wäre ohne Vorfreude unerträglich gewesen.
Januar: ich fahre zu meinen Eltern. 
Februar: ich gehe mit einer Freundin frühstücken. 
März: ich bekomme Besuch. 
April: mein Bruder hilft mir, den Garten schön zu machen. Sommer: ein Ausflug.
Herbst: Freunde nehmen mich mit ihren Urlaub.
Winter: die Familie treffen. 

Vorfreude ist wunderbar, sie ist nicht abhängig von Größe oder Kosten. 
Manchmal freue ich mich schon morgens, auf das Bett am Abend. 
Ich kann mich auf ein Buch freuen, auf ein Telefonat oder
an einem Blumenstrauß (und den kann ich mir selbst kaufen).


Gebt dem linken präfrontalen Cortex etwas zu tun 
und freut Euch vor!




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Kommentare:

Enny hat gesagt…

Wunderbar!
Genauso empfinde ich auch, die Freude am Warten auf das was kommt.
Mit schrecken habe ich am Sonntag festgestellt, dass schon in einer Woche Heiligabend ist, und erfahrungsgemäß sind die Feiertage auf die man sich so sehr gefreut hat schneller rum als man sie wirklich bewusst genießen kann. Darum genieße ich die Vorweihnachtszeit umso mehr, nehme mir Zeit für Schönes, Besinnliches und freue mich an der Vorfreude - Advent, der HERR ist nahe!

Lieben Gruß Enny
auch zu finden unter Ennys-insel-perlen bei Blogger

BuchstabenKunst hat gesagt…

Hallo Enny … sehr gut, danke. Ich schaue mal bei Deinen Insel Perlen vorbei. Liebe Grüße und gesegnete Weihnachten. Susanne