Mittwoch, 8. März 2017

Waaaaas?

Ich lese schnell. Worte ziehen wie Bilder an mir vorbei und selbst, wenn ich sie nicht lesen will, springen sie mir ins Auge.
Seit Jahrzehnten steht an der Hauptstraße die Werbetafel einer KfZ-Werkstatt. Jedes mal lese ich sie. Jedes mal! Ich will nicht! Nein! Und zack, die Buchstaben schießen in meine Augen: "Zum Willi will i!" Ach Willi …

Am Supermarkt steht eine Tafel, da darf man Werbezettel anbringen. Ich gehe vorbei und zack, erfasse einen Titel: "Sterbehilfe für Profis." Waaaaas?
Wie kann man nur? Ich rege mich auf. Ja, man könne die Palliativmedzin ausbauen und lebensverlängernde Prozeduren erlassen, aber aktive Sterbehilfe von einem Sterbeprofi?
Ich denke an die Niederlanden. Da darf man sich den Tod in besonderen Fällen terminlich wünschen. 
"Hast Du am Mittwoch Zeit?"
"Wieso?"
"Na, da findet meine Trauerfeier statt."
"?"
"Ich sterbe nächsten Montag und Mittwoch ist die Beisetzung."

Das ist gruselig. 
Entsetzt schaue ich mir die Anzeige genauer an. Die Buchstaben stimmen, aber mein Hirn hat die Reihenfolge verändert. Dort steht: "Streberpfoten." Es handelt sich um einen Hundetrainer. Aus Streberpfoten macht mein Hirn Sterbeprofi? Was regt sich in meinem Unterbewusstsein?

Nachdenklich gehe ich nach Hause. Ich nehme die Abkürzung am Altenheim vorbei und schaue in die beleuchteten Fenster. Einige Senioren hängen in ihren Rollstühlen. Ob sie sich einer von ihnen einen Sterbeprofi wünscht?

Ach, was für schwere Gedanken … 




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