Mittwoch, 22. März 2017

Welttag

Fast jeder Tag ist ein besonderer Welttag. 
Es gibt Welttage, die auf Krankheiten aufmerksam machen, an historische Ereignisse erinnern oder für Missstände sensibilisieren. Vorgestern war der Welttag der Frankophonie. Gestern war der Welttag des Down-Syndroms. Heute ist der Weltwassertag. Es gibt auch Welttage, die keiner braucht z.B. Tag der Jogginghose.

21. März ist der Welttag des Down-Syndroms. Ich habe viele Kinder behandelt, die mit einem zusätzlichen 21. Chromosom ausgestattet waren und manchmal lief ein Gespräch unter Therapeuten so ab:
"Welche Diagnose hat deine Neuaufnahme?"
"Down-Syndrom."
"Wie ist die Kleine drauf?"
"Nun ja, ziemlich down. Schlaffe Muskeln, überdehnbare Gelenke, speichelt, verwaschen Sprache … irgendwie down."


Ich stelle mir vor, welche Assoziationen wir hätten, wenn der Kinderarzt, der dieses Syndrom beschrieb, nicht John Langdon-Down hieße.
Was wäre, wenn er Doktor John Best, Doktor Power oder Doktor Höchst geheißen hätte?
"Wie geht es ihrem Kind?"
"Gut, manchmal ist es schwierig. Es hat das Power-Syndrom."
Würde man dann nicht einen Menschen vor Augen haben, der voller Energie ist?

"Wir müssen zur Herzuntersuchung, denn mein Sohn hat das Höchst-Syndrom."
"Das Höchst-Syndrom? Das tut mir leid."
"Nein, muss es nicht. Er ist ein höchst fröhlicher Junge."
Höchst statt Down.

Ein Vater bezeichnete das zusätzliche Gen seines Kindes als Gelassenheits-Gen. Genial! Manchmal muss man den Dingen einen anderen, besseren, richtigeren Namen geben, damit sie nicht unsere Wahrnehmung verzerren.




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