Montag, 24. Juli 2017

unterwegs mit E. (2)

Immer wieder klagte Elos, unser eritreische Freund, dass die deutsche Sprache so schwierig sei: Deklination, Konjugation, Präposition, Irritation!
Deutsch gehört nicht zu den schwierigsten Sprachen, las ich. Man könne sie in ca. 750 Stunden erlernen ähnlich wie Englisch und Spanisch. Viel schwieriger sei Finnisch oder Ungarisch, da bräuchte man über 1000 Unterrichtsstunden.
Ich tröstete Elos mit der Information, dass das deutsche Alphabet nur 26 Buchstaben habe, das Alphabet seiner Muttersprache Tigrinya hingegen 250.
"Siehst du Elos? Deutsch ist einfach!"
"Ja. Aber schwer … der, die, das … der Sonne?"
"Nein, die Sonne."
"Die Mond?"
"Nein, der Mond."
Er seufzte und blätterte in seinem Vokabelheft, dann bestimmte er die Zeitformen. 
Ich bin kein Pädagoge, aber muss man im ersten Schuljahr schon zwischen Perfekt und Plusquamperfekt unterscheiden? Würde das Präteritum anfangs nicht genügen? Ich mochte diese DaF- und DaZ-Hefte nicht, denn ich war mir nie sicher, ob er alles verstand. So suchte ich im Kinderzimmer nach geeigneter Lektüre. 
Statt den sperrigen Übungsheften von Dr.phil. holte ich das bunte Buch 
von Dr. Brumm, den dödeligen Bären, der für jede Notsituation eine Lösung parat hatte. Elos fand es nicht seltsam ein Kinderbuch zu studieren und ich wusste immer, wenn er den Text verstanden hatte. Dann lachte er laut. 
Eine Fremdsprache zu verstehen, ist schwer, 
doch Humor zu verstehen, ist Lebenskunst!







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