Mittwoch, 2. August 2017

über E.

Bevor wir E. kennenlernten, wusste ich nur, dass Eritrea ein Land in Afrika ist, indem Christen verfolgt werden. 2015 stand es auf dem dritten Platz im Weltverfolgungsindex von Open Doors https://www.opendoors.de2017 sind sie auf den 10. Platz gerutscht, aber nicht, weil sich die Lage verbessert hätte, sondern weil sich die Situation in Ländern wie Somalia, Pakistan, Irak verschlechtert hat.
Ich würde gerne mehr über Eritrea erfahren, aber E. erzählt nur wenig und über den Militärdienst und seine Flucht spricht er gar nicht. Auf Googleearth suchen wir sein Dorf. Er klatscht in die Hände als wir es finden und zoomen sein Elternhaus ran. Ich sehe nur gelbe Fläche mit braunen Vierecken. Ein karges Land mit hohen Bergen und einem schmalen Küstenstreifen. Es war eine italienische Kolonie und die Menschen lieben noch immer Pasta. Zur Not essen sie auch Hyänen. Wir schauen ihn überrascht an und er lacht. 
Das ist das Erstaunlichste an ihm: er lacht viel und verteilt Umarmungen. 
Manchmal frage ich mich, ob E. bewusst war, was er alles auf unbestimmte Zeit zurücklassen musste. Mit einem erzwungenen lebenslangen Militärdienst hätte er seine Familie nicht versorgen können und wer kann mit der Bedrängnis leben, um des Glaubens willen für Jahre in einen Container gesperrt zu werden?
Es steht mir nicht zu, zu urteilen und ich bin nicht fähig, politische Lösungen aufzuzeigen. Ich bin nur fähig, mein Heim zu öffnen und E. etwas Familienleben zu schenken. E. revanchiert sich, indem er eifrig im Haus und Garten hilft. Er nimmt jede Arbeit sehr ernst und hat beim Rasenmähen alle meine Blümchen geköpft. 
Das muss ich ihm noch erklären, dass wir uns Dinge leisten, nur weil sie schön sind. Schönheit braucht Freiheit. 



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