Mittwoch, 9. August 2017

unterwegs mit E.

Seit E. in der Gastronomie arbeitet, sehen wir uns nicht mehr so oft und wenn, dann genießen wir die Freizeit. Nach seiner Sonntagsschicht sind wir nach München gefahren. Ich bin gerne in der Stadt, wenn die Geschäfte geschlossen haben. Dann kann man wirklich bummeln, sonst wird man vom Kundenstrom und deren gewaltigen Einkaufstüten fortgerissen.
Wir posierten am Lehnbachbrunnen, schlenderten durch den alten botanischen Garten und zeigten ihm den kleinen Stachus, der in den Brunnen strullert.
Vor den Schaufenstern beim Oberpollinger drückten wir uns die Nasen platt. Unsere Kinder hatten Spaß daran, die teuersten Designerstücke ausfindig zu machen.
Gucci 1250€, Laurent 2765€, Vuitton 3040€. Gucci war verhältnismäßig günstig.
E. sah uns verständnislos an. Wir zeigten mit den Fingern auf die Taschen, dann auf die kleinen digitalen Preisschilder. E. lachte. Es war ein herzhaftes Lachen, als wenn man einen guten Witz erzählt hätte. Wir erklärten. Er schüttelte den Kopf. Wir zeigen. Er kräuselte die Stirn. Wir nickten. Er staunte.
Es war ein Kaisers-neue-Kleider-Moment: das sind doch nur Taschen! Nicht mehr. 
Man kann sie auch nur als Tasche verwenden. Nicht mehr. 
Sein Lachen hatte etwas entlarvendes.






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