Samstag, 21. Oktober 2017

ein Nicht-Unwort

Nachdem ich Unwörter gekürt habe, wird es Zeit für ein Nicht-Unwort. Ein Jubelwort. Ein Meisterwort. Ein Wort mit Veränderungskraft, das sich nicht um sich selbst dreht.
Bitte und Danke sind solche Wörter und es erfordert jahreslanges Training, bis sie einem leicht über die Lippen kommen und zu einer guten Angewohnheit werden. 

Mit dem Meisterwort verhält es sich anders. Wir ringen mit ihm, weil es uns demütigt. 
Wir hören es selten und fast nie von Personen im öffentlichen Leben. Sie sagen nicht das Meisterwort. Nein, sie rudern zurück oder relativieren oder behaupten, es nicht so gemeint zu haben oder noch häufiger: sie schweigen.
Kürzlich wurde dem einjährigen Zugunglück in Bad Aibling gedacht. Zwölf Menschen starben. Der Unverfallverursacher war ein Bahnangestellter und wurde verurteilt. Doch die betroffenen Menschen vermissen ein Wort von der Deutschen Bahn. Sie bekundet zwar Bedauern, Fassungslosigkeit und Trauer, aber das eine Wort, das bei der Trauerbewältigung hilft, wird nicht gesagt.

Das Radio berichte über die Missbrauchsfälle der "Regensburger Spatzen". Die Aufklärung sei schleppend. Einige Geistliche sprechen ihr Mitgefühl aus, aber andere wehren sich gegen Verleumdung.
Ein Opfer sagt im Interview: "Ich möchte alles aufarbeiten und mir hätte ein Wort geholfen: Entschuldigung."
Was ist los mit uns? Wieso können wir es nicht sagen? ENTSCHULDIGUNG!
Nicht das schnell dahingesagte "Tschuldigung".
Keine Abkürzungen! Ohne Ent-schuldigung gibt es keine Ent-lassung von Schuld. 
Manchmal flüchten wir uns in ein "Sorry", aber diesem Wort fehlt die Tiefe.
Um die volle Kraft des Meisterwortes zu erleben, müssen wir es mit allen vier Silben aussprechen. Ent-schul-di-gung.
Das Meisterwort entlastet den Sprecher und den Empfänger. Es ist universell einsetzbar, in der Politik, auf Arbeit, im Alltag, in Beziehungen.
Keine Abkürzungen mehr! Kein zurückrudern! Kein relativieren!


Lasst uns das Meisterwort 
mit all seiner Größe und Tiefe verwenden
und seine Veränderungskraft spüren.



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