Rezensionen zu DENNOCH

Merkur vom 2. Mai 2015
Einfach mal die Perspektive wechseln
von  Sabine Heine
Pöring - Susanne Ospelkaus (38) aus Pöring veröffentlicht ersten
Kurzgeschichten-Band mit dem trotzigen Titel „Dennoch“.

Selbst in der ausweglosen Situation noch Hoffnung schöpfen, etwas Gutes daran finden, auch wenn es erst einmal nicht so scheint: Susanne Ospelkaus (38) weiß genau, was es heißt, wenn einem das Leben richtig übel mitspielt. Die zweifache Mutter musste den viel zu frühen Tod ihres Mannes erleben - und verarbeiten. Da hat sie angefangen zu schreiben. Ernste Geschichten sind es, Geschichten für Erwachsene eben, aber immer irgendwie hoffnungsvolle. Eine Auswahl davon hat Susanne Ospelkaus jetzt in einem Buch veröffentlicht. „Dennoch“, hat sie das Werk trotzig überschrieben und ihm den Zusatz „Kurzgeschichten über Wendungen“ verpasst.
Vieles im Leben ist nicht immer so, wie es anfangs scheint. Das weiß jeder von uns, aber Susanne Ospelkaus führt es uns noch einmal ganz deutlich vor Augen. 
Was ist mit unseren Vorurteilen, die wir so gerne und aus reiner Bequemlichkeit pflegen? Wie sehen behinderte Menschen das Leben? Warum stehen wir uns immer selbst im Weg? Die Antworten muss jeder für sich selbst finden. Die Autorin gibt Anstöße zum Nachdenken. Ja, und sensible Gemüter dürften sich hier und da auch mal eine Träne wegdrücken bei der Lektüre.
Die Geschichten beginnen meist dunkel, fast erdrückend, eben bevor sich überraschende Wendungen ereignen und das erdrückende Grau des Alltags von heller und hoffnungsfroher Selbsteinsicht überstrahlt wird. So schlimm ist das alles ja gar nicht! Wenn man nur offen dafür ist. Und eine große Portion Humor steckt auch in den Geschichten.
Susanne Ospelkaus macht nicht nur sich selbst, sondern auch den Lesern Mut mit ihren Kurzgeschichten. 
„Es ist ein Buch, das Mut macht, eine andere Perspektive einzunehmen und sich Herausforderungen zu stellen“, sagt Susanne Ospelkaus. Sie selbst hat ihren Weg gefunden.
Im Herbst ist die Literatin gemeinsam mit anderen Künstlern wieder auf Lesetour im Landkreis unterwegs. Bis dahin lohnt sich Blick auf ihren Blog.


Schreiben am heimischen Küchentisch                     Foto:jro



Andi Weiss, Liedermacher und Autor, über DENNOCH
Mich bewegt das Buch „DENNOCH“ von Susanne Ospelkaus in Herz und Hirn. Da finden sich keine alltagsromantischen Gedanken über die unverkannten Sonnenblumen am Wegesrand. Da geht es um die menschliche Existenz, den täglichen Überlebenskampf, die Frage nach Würde und einem tragfähigen Grund im Leben trotz allen großen und kleinen Widrigkeiten. Die Autorin greift mitten in den schmutzigen Geschichten, die das Leben schreibt, nicht in die Kiste oberflächlicher Zigarettenpapierweisheiten, um sie dann dem Leser überklug um die Ohren zu hauen. Da spricht ein Mensch, der seine Weisheiten und Erkenntnisse selbst lebt und erlebt hat. Da erzählt eine Frau die unter Tränen und in tiefster Trauer die sehnsüchtige Frage nach dem TROTZDEM im Leben gestellt und für sich glaubwürdige Antworten gefunden hat. Antworten, die sie nun – GottseiDank – nicht für sich behalten will.
Mir fällt dabei auf, das sich die tiefen und lebensweisen Erkenntnisse der Autorin oft sanft und leise in Nebensätzen verstecken. Ich frage mich nach dem Grund und ahne, dass der Mensch, der sein Leben tapfer und mutig im kühlenden Schatten der verweigerten Selbstaufgabe lebt, diese Tatsache irgendwann im Leben als selbstverständlich entdeckt hat und genau daran immer wieder selbst gesund wird. Genau das gelingt Susanne Ospelkaus glaubwürdig, tiefgründig und in einer gereiften und einladenden Sprache. 
Ich wünsche Susanne Ospelkaus noch viele Leser und Zuhörer.

Andi Weiss



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